OHM Rohrwerk
Biegeradius-Check

Biegeradius-Check

Prüft ob ein geplanter Biegeradius für PE-Rohre im zulässigen Bereich liegt.

Biegeradius-Check

m
Mindestbiegeradius - m
Verhältnis R/R_min -
Bewertung

R_min = Basis(Methode) × k_SDR × k_Mat × k_T × dₑ

Mindestbiegeradien nach DVS 2210 / Herstellerangaben. Engineering-Vorbemessung.

Hinweis: Dieser Schnellcheck dient ausschließlich der Orientierung. Die Ergebnisse ersetzen keine projektspezifische Auslegung. Bemessung und Freigabe obliegen dem verantwortlichen Projektbüro. Alle Angaben ohne Gewähr. Vollständiger Disclaimer

Grundlagen

Der Mindestbiegeradius für PE-Rohrleitungen hängt von Außendurchmesser, Wandstärke (SDR), Verlegeverfahren, Werkstoff und Rohrtemperatur ab:

$$R_{min} = k_{Basis} \times k_{SDR} \times k_{Mat} \times k_T \times d_e$$

Dabei ist $k_{Basis}$ ein verfahrensabhängiger Grundfaktor, $k_{SDR}$ der SDR-Korrekturfaktor, $k_{Mat}$ der Werkstoff-Korrekturfaktor, $k_T$ der Temperatur-Korrekturfaktor und $d_e$ der Außendurchmesser.

Verfahren Typischer Faktor (SDR 11, PE-100, 20 °C)
Offene Verlegung (kalt, dauerhaft unter Druck) ~35 × dₑ
Offene Verlegung (warm/Strahler) ~20 × dₑ
HDD / Trenchless ~25 × dₑ

Dickere Wandstärken (niedrigere SDR) erlauben engere Radien, dünnere Wandstärken erfordern größere Radien.

SDR-Einfluss (Beispiel Kaltbiegen, 20 °C):

SDR Faktor (ca.) Typische Anwendung
7,4 ~30 PN 25 Hochdruck
11 ~35 PN 16 Trinkwasser/Gas
17 ~40 PN 10 Abwasser
26 ~49 PN 6 Niederdruck
33 ~65 Drucklose Anwendung

Werkstoffeinfluss (k_Mat):

Der Werkstoff beeinflusst die zulässige Biegung über seinen E-Modul und seine Mindestfestigkeit (MRS):

Werkstoff k_Mat Begründung
PE-100 1,00 Referenzwerkstoff (MRS 10 MPa, E ≈ 1000 MPa bei 20 °C)
PE-80 1,15 Niedrigere MRS (8 MPa) → größerer R_min empfohlen (DVS 2210-1 / ISO 4427)
PE-RT 0,85 Für Flexibilität optimiert → engere Radien möglich (Herstellerangaben AGRU, Röchling)

Temperatureinfluss:

PE-100 wird bei niedrigen Temperaturen steifer, bei höheren Temperaturen flexibler. Der Temperatur-Korrekturfaktor $k_T$ passt den Mindestbiegeradius entsprechend an (Referenz: 20 °C → $k_T = 1{,}0$):

Temperatur k_T Auswirkung
≤ −5 °C 1,80 Extrem steif/spröd – Kaltbiegen nicht empfohlen (DVS 2210)
≤ 0 °C 1,50 Deutlich steifer – R_min steigt um 50 %
5 °C 1,35 Steifer – Winterverlegung
10 °C 1,20 Leicht eingeschränkt
15 °C 1,10 Nahe Referenz
20 °C 1,00 Referenztemperatur
25 °C 0,90 Leicht flexibler
30 °C 0,75 Deutlich flexibler
≥ 40 °C 0,65 Sehr flexibel – nahe Warmbiegen

Praxishinweis: Bei Winterverlegung (< 5 °C) ist der Mindestbiegeradius erheblich größer. Unter 0 °C empfiehlt DVS 2210 Sondermaßnahmen (Vorwärmung). Sofern möglich, sollte die Verlegung bei Temperaturen über 10 °C erfolgen.

Normen-Basis: DVS 2210-1 (Beiblatt 4), DVGW W 400-2, DIN EN 12201, ISO 4427, Herstellerangaben (egeplast, AGRU, Wavin, Röchling). Die Berechnung liefert konservative Richtwerte für dauerhaften Betrieb unter Innendruck. Für temporäre Verlegung ohne Druck gelten geringere Mindestradien (Faktor ~15–25 × dₑ für SDR 11, PE-100).

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